Lektion 8: Mein Geist ist mit vergangenen Gedanken beschäftigt
- Francine Ackermann
- 8. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Dieser Gedanke ist der Grund dafür, dass du nur die Vergangenheit siehst. Niemand sieht wirklich etwas. Er sieht nur seine Gedanken, die er nach aussen projiziert. Dass der Geist mit der Vergangenheit beschäftigt ist, führt zu einer falschen Auffassung von Zeit, und diese beeinträchtigt dein Sehen. Dein Geist kann die Gegenwart – die einzige Zeit, die es gibt – nicht erfassen. Darum kann er die Zeit nicht verstehen und tatsächlich gar nichts verstehen.
Der einzige völlig wahre Gedanke über die Vergangenheit ist, dass sie nicht da ist. Über sie nachzudenken heisst daher, über Illusionen nachzudenken. Nur wenige haben erkannt, was es wirklich bedeutet, sich die Vergangenheit vorzustellen oder die Zukunft vorwegzunehmen. Wenn der Geist das tut, ist er in Wahrheit leer, weil er nicht wirklich über etwas nachdenkt.
Der Zweck der heutigen Übungen ist es, deinen Geist langsam darin zu schulen, zu bemerken, wann er eigentlich gar nicht denkt. Solange der Geist mit gedankenlosen Vorstellungen beschäftigt ist, bleibt die Wahrheit verdeckt. Zu erkennen, dass der Geist leer war – statt zu glauben, er sei voller wirklicher Gedanken –, ist der erste Schritt, um der Schau den Weg zu öffnen.
Die heutigen Übungen sollen mit geschlossenen Augen gemacht werden. Das hilft zu erkennen, dass du tatsächlich nichts siehst, auch wenn Gedanken sehr lebhaft erscheinen. Durchsuche deinen Geist etwa eine Minute lang so ruhig und unbeteiligt wie möglich. Nimm die Gedanken einfach wahr. Benenne jeden nach der Hauptperson oder dem Hauptthema und gehe dann weiter. Beginne die Übung mit dem Satz:
Ich scheine gerade über ___ nachzudenken.
Nenne dann jeden Gedanken konkret, zum Beispiel:
Ich scheine gerade über [eine Person], über [einen Gegenstand],über [ein Gefühl] nachzudenken.
Beende die Übung mit den Worten:
Aber mein Geist ist mit vergangenen Gedanken beschäftigt.
Diese Übung kann vier- oder fünfmal am Tag gemacht werden, ausser du merkst, dass sie dich reizt. Wenn sie anstrengend wird, reichen drei- oder viermal aus. Es kann auch hilfreich sein, jedes Gefühl von Gereiztheit oder Unbehagen in die Übung mit einzubeziehen.
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