Was ist echt – Körper oder Nicht-Körper?

Darüber dürfen sich die Geister gerne scheiden. Ich gebe hier gerne meine persönlichen
Erfahrungen weiter:

T.K. Sribhashyam – mein kürzlich verstorbener Lehrer – schreibt in seinem Buch «Wie Yoga
wirklich wurde»

«… Nach den Veden gibt es eine Ungleichheit der Zeit zwischen Bewegung und Nicht-Dauer,
ebenso wie bei den Lebewesen dieser Welt die Ausatmung immer länger als die Einatmung
ist. Die Zeit des Lebens ist viel länger als die Zeit des Todes. Wenn es uns folglich gelingt, die
Dauer unserer Einatmung und die Dauer unserer Ausatmung gleich lang werden zu lassen,
dann werden wir die Nicht-Dauer wahrnehmen…»

Meine «Lehre», die 1998 bei ihm begann, sollte mehr als fünfzehn Jahre andauern. Im
Spätherbst 2017 verliess er seinen Körper. In all den Jahren erlebte ich ihn manchmal recht
schalkhaft, dann wieder sehr, sehr streng. Während der vierjährigen Yogalehrer-Ausbildung
vergoss ich deshalb etliche Tränen. Rückblickend kann ich bestätigen, dass sich jede einzelne
Träne gelohnt hat, machte sie mich doch unter anderem zu dem, was ich heute bin.
Nie wurde er beispielsweise müde zu erklären, dass Körperstellungen (Asanas) ohne Ujjayi
gar nicht Yoga sei, sondern Gymnastik.

Ujjayi ist denn auch die erste Atemtechnik – eigentlich Grundtechnik -, welche er lehrt. Jede
einzelne Körperstellung soll in Verbindung und im Einklang mit dieser Atmung geschehen.
Zu Zeiten der Veden existierte sie noch gar nicht, sondern kam erst später im Hatha Yoga
dazu.

Die in den Veden empfohlenen Pranayamas gehören allesamt der Familie von Nadi
Shodhana an und benutzen kein Ujjayi. Was jedoch in den Veden erscheint ist der Begriff
Ojas, der eng mit Ujjayi verknüpft ist.

Sribhasyham schreibt in seinem Buch weiter, «dass Ujjayi in der Atmung des Löwen
anwesend sei und der Löwe für alles Spirituelle stehe.»

Das Ziel von Yoga ist der spirituelle Weg. Der Körper wird auf diesem Weg nur fit gemacht,
damit er nicht stört.